2. Kapitel

Das Fundament der Demut

 

Sie sollen auch nicht den Kopf hoch tragen, weil sie in die Gesellschaft von Menschen kommen, denen in der Welt näher zu treten sie nicht gewagt hatten; ihr Herz soll vielmehr nach oben gerichtet sein und irdische Eitelkeit nicht suchen. Sonst könnte es soweit kommen, dass die Klöster bloß den Reichen zum Nutzen wären, nicht auch den Armen, indem die

Reichen dort demütig, die Armen dagegen überheblich würden.

Andererseits sollen aber auch jene, die in der Welt etwas zu bedeuten schienen, ihre Mitbrüder nicht geringschätzen, die aus armen Verhältnissen zu dieser heiligen Gemeinschaft gekommen sind. Sie sollen mehr danach trachten, sich des Zusammenlebens mit armen Mitbrüdern zu rühmen als der hohen Stellung ihrer reichen Eltern.



Auch sollen sie sich nicht überheben, wenn sie der Gemeinschaft einen Teil ihres Vermögens

zugeführt haben ; sonst könnte die Zuwendung des Reichtums an das Kloster sie stolzer machen als sein Genuss in der Welt. Denn jede andere Sünde geschieht durch böse Werke, die man tut; der Stolz dagegen schadet auch den guten Werken und macht sie zunichte. Was nützt es denn, sein Vermögen an die Armen hinzugeben und arm zu werden, wenn die unglückliche Seele durch die Verachtung des Reichtums hochmütiger wird als sie es vorher war in seinem Besitze? Lebt also alle in Eintracht und Liebe beisammen und ehrt in euch gegenseitig Gott, dessen Tempel ihr geworden seid.


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