11. Kapitel

Der klösterliche Gehorsam

 

Dem Vorgesetzten sollt ihr gehorchen wie einem Vater, noch viel mehr dem Priester, der sich um euch alle sorgt. Damit also alle diese Vorschriften eingehalten und die Übertretungen nicht leichthin übersehen, sondern gründlich gebessert werden, soll es vor allem Aufgabe des Vorgesetzten sein, dem Priester, der bei euch die höheren Befugnisse hat, das vorzulegen, was über seinen Bereich und seine Kraft hinausgeht. Der Obere soll sich nicht deshalb glücklich schätzen, weil er kraftseines Amtes gebieten, sondern weil er in Liebe dienen kann. Durch seine Stellung in eurer Gemeinschaft stehe er über euch, vor dem Angesichte Gottes liege er in Furcht zu euren Füßen.



Allen gegenüber soll er ein Vorbild guter Werke sein. Unruhestifter soll er zurechtweisen, Kleinmütige aufrichten, der Schwachen sich annehmen, mit allen Geduld haben, die Klosterordnung lieben und verantwortungsbewusst durchführen. Und, obwohl beides unerlässlich ist, soll er doch mehr danach streben, von euch geliebt als gefürchtet zu werden, und sich immer bewusst bleiben, dass er für euch vor Gott einst Rechenschaft ablegen muss. Habt deshalb durch willigen Gehorsam nicht bloß mit euch, sondern auch mit ihm Erbarmen; denn je höher seine Stellung unter euch ist, desto größer ist auch die Gefahr, in der er lebt.

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