1. Kapitel
Das Ziel des klösterlichen Lebens
Vor allen Dingen, liebe Brüder, sollt ihr Gott lieben, sodann den Nächsten; denn das sind die Hauptgebote, die uns gegeben sind. Das ist es, was wir euch im Kloster gebieten. das erste Ziel eures gemeinschaftlichen Lebens ist, in Eintracht zusammenzuwohnen und "ein Herz und eine Seele" (Apg 4, 32) in Gott zu sein. Deshalb nennt nichts euer eigen, sondern alles gehöre euch gemeinsam; durch euren Obern werde jedem von euch Nahrung und Kleidung zugeteilt, nicht allen in gleicher Weise, weil ihr nicht alle die gleiche Gesundheit habt, sondern vielmehr jedem nach seinem Bedarf. So lest ihr ja in der Apostelgeschichte (4,32): "Alles hatten sie gemeinsam und jedem
wurde zugeteilt, je nachdem er es bedurfte."Die in der Welt Vermögen besaßen, sollen nach ihrem Eintritt ins Kloster gerne sehen, dass es Gemeingut wird. Die aber in der Welt nichts besaßen, sollen nicht im Kloster das suchen, was sie auch draußen nicht haben konnten.
Was sie aber wegen ihrer Schwächlichkeit brauchen, sollen sie erhalten. Selbst wenn ihre Armut in der Welt so groß war, dass sie nicht einmal das Notwendige finden konnten. Nur sollen sie sich nicht deswegen glücklich schätzen, weil sie Nahrung und Kleidung gefunden haben, wie sie es draußen nicht finden konnten.
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