Biografie von Johannes Ruysbroek

* 1293 in Ruysbroek bei Brüssel in Belgien 

† 2. Dezember 1381 in Groenendael bei Brüssel in Belgien

9. Dezember 1908 Seliggesprechung durch Papst Pius X.



"Wie aber Gott seiner Einheit nach in seliger Ruhe verharrt und seiner Dreiheit nach in tätiger Liebe wirkt, so ist die liebende Seele im ‘gottschauenden Leben' eins mit Gott in der Ruhe und ihm ähnlich in den Werken der Liebe"

Johannes Ruysbroek ist der größte flämische Mystiker.
Er wurde 1293 in Ruysbroek geboren, einem Dorf, das etwa fünf Kilometer südlich von Brüssel liegt, im damaligen Herzogtum Brabant. Mit elf Jahren zog er zu seinem Onkel Jan Hinckaert, einem Kanoniker an der Domkirche St. Gudula. Er besuchte die dortige Stiftsschule und wurde 1317 zum Priester geweiht. 25 Jahre lang war er als Vikar an der Domkirche tätig.
Hier entstand sein Hauptwerk "Die Zierde der geistlichen Hochzeit."

Im Jahre 1343 zog er zusammen mit dem Domherrn Frank van Coudenberg sowie seinem Onkel in den Sonienwald, der etwa zwölf Kilometer südöstlich von Brüssel liegt und wo sie 1350 eine Einsiedelei gründeten. Sie hielten Verbindung mit St. Victor in Paris ein Kloster nach der Regel der Augustiner-Chorherren, dessen Prior Johannes bis zu seinem Lebensende wurde. 






Die Einsiedelei in Groenendaal wurde zu einem geistlichen Zentrum, das viele ratsuchende Menschen anzog. Zu ihnen gehörte Gerhard Groote (1340 - 1384), der nach seiner Bekehrung der Begründer der "Devotio moderna" wurde.
Johannes von Ruysbroek stand auch der Schwesternbewegung nahe und verteidigte sie gegen Argwohn und Angriffe. Bei den Beginen handelte es sich um Frauen, die in Beginenhöfen ein ordensähnliches Leben führten, ohne einen eigentlichen Orden mit ewigen Gelübden zu bilden. Die Bewegung entstand im 12. Jahrhundert in Lüttich oder Brabant, fand kirchliche Anerkennung und breitete sich in Europa aus.


Im Mittelpunkt von Ruysbroeks Mystik standen die Trinität und die heilige Eucharistie. Alle Seligkeit und Heiligkeit besteht darin, dass wir zum Vater geführt werden. "Wie aber Gott seiner Einheit nach in seliger Ruhe verharrt und seiner Dreiheit nach in tätiger Liebe wirkt, so ist die liebende Seele im ‘gottschauenden Leben' eins mit Gott in der Ruhe und ihm ähnlich in den Werken der Liebe".
Seine Lehre vom Seelenfunken, in dem wir Gott berühren, hat Parallelen zu Meister Eckhart. Wegen seiner Ekstasen, die sich in seinem Alter häuften, bekam der die Namen "Doctor ecstaticus" und "Doctor mirabilis"odert auch "Doctor divinus" genannt.

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